Wirtschaft im Wandel – UBS und GVL luden zum Wirtschaftsapéro
- Lea Grossmann

- 29. Okt.
- 2 Min. Lesezeit
Der Gewerbeverein Lenzburg & Umgebung (GVL) und UBS luden am 22. Oktober 2025 zum traditionellen Wirtschaftsapéro im Lenzburger Stapferhaus ein. Rund 120 Gäste folgten der Einladung, um den Ausführungen von Dr. Daniel Kalt, Chefökonom UBS Schweiz, zu lauschen. Unter dem Titel «Die Welt aus den Fugen – Perspektiven für Wirtschaft und Finanzmärkte» zeigte Kalt auf, wie sich die globalen Bruchlinien in Wirtschaft und Politik derzeit verschärfen – und welche Folgen dies für die Schweiz hat.
Eröffnet wurde der Abend von Gabriela Marchello, Leiterin Firmenkunden Marktgebiet Aargau West, welche die Gäste im Namen der UBS willkommen hiess. Anschliessend übergab sie das Wort an Lea Grossmann, Präsidentin des GVL. Sie betonte die Bedeutung des lokalen Engagements und nutzte die Gelegenheit, um auf die LEGA26 aufmerksam zu machen – die wichtigste Gewerbeausstellung der Region. «Wir können die geopolitische Lage nicht ändern, aber im Kleinen Grosses bewirken. Darum ist es wichtig, sich an der LEGA zu zeigen», so Grossmann
In seinem Vortrag zeichnete Daniel Kalt ein klares Bild der gegenwärtigen geopolitischen Lage. «Die Welt driftet auseinander», erklärte er. Auf der einen Seite stehe das westlich-liberale Werte- und Wirtschaftssystem, das auf Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, privatem Eigentum und freiem Handel basiere. Auf der anderen Seite formiere sich ein autokratisches Gegenmodell mit starker staatlicher Kontrolle, wie es etwa in Russland oder China zu beobachten sei. Der Ukrainekrieg habe diese Bruchlinien zusätzlich vertieft.
Zoll, schwaches Europa, solide Schweiz
Ein zentrales Thema war der sogenannte «Zollhammer» der USA. Kalt verglich die Folgen dieses Zollschocks mit dem Frankenschock von 2015. «Es tut weh, aber es führt uns nicht in eine Rezession.» Besorgt zeigte sich Kalt über die Entwicklung in Deutschland. Die grösste Volkswirtschaft Europas stagniere seit Jahren, Reformen blieben aus. «Das ist keine akute Krise, aber eine schleichende Katastrophe», so Kalt. Für die Schweiz bedeute dies eine Belastung, da Deutschland einer der wichtigsten Handelspartner sei. In der Geldpolitik zeigte sich der Ökonom verhalten optimistisch. Nach der Inflationswelle der Jahre 2022 und 2023 sei die Teuerung in der Schweiz wieder praktisch verschwunden.
Künstliche Intelligenz verändert den Arbeitsmarkt
Ein weiterer spannender Punkt in Kalts Vortrag war der Einfluss der künstlichen Intelligenz (KI) auf den US-Arbeitsmarkt. Er beobachte, dass in gewissen Branchen – etwa in Anwaltskanzleien oder Beratungsfirmen – weniger Nachwuchskräfte eingestellt würden. «KI übernimmt bereits viele Routineaufgaben», erklärte er. Dies könne ein Grund sein, weshalb sich der US-Arbeitsmarkt derzeit ungewöhnlich verhalte: Die Wirtschaft laufe stabil, aber das Beschäftigungswachstum schwäche sich ab.
Trotz der geopolitischen Spannungen, Handelskonflikte und technologischen Umbrüche sieht Kalt die Schweiz gut aufgestellt: «Wir werden auch diese Phase meistern – mit Vernunft, Offenheit und Innovationskraft.» Die Teilnehmenden quittierten den Vortrag mit grossem Applaus und nutzten den anschliessenden Apéro, um die Themen des Abends weiter zu vertiefen.








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